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Lebenskunst

Weltvernunft, Stachelschweine, Online & Offline Shopping, Digitalisierung

Weltvernunft

Nicht nur der Mensch kann vernünftig sein! Aristoteles und Hegel sprachen auch von einer Weltvernunft, eine Art göttliches Urprinzip, das die Welt mit Vernunft durchdringt. Jedes Tier, jede Pflanze, jedes Sandkorn trage Vernunft in sich.

Der Mensch kann aber auch ganz schön unvernünftig sein. Wenn er sich zum Beispiel Zigarren für 20 Euro kauft. Gibt es dann nicht auch eine Weltunvernunft? Könnte dann nicht auch ein Sandkorn Blödsinn bauen?

Als alter Freudianer glaube ich vielmehr an die Unvernunft. Dass die Unvernunft tiefer gründet als die Vernunft. Dass die Unvernunft sogar die Vernunft lenkt.


Stachelschweine

Vor einiger Zeit schrieb ich über das Stachelschweindilemma von Schopenhauer. Worum es geht: Der Mensch braucht die Nähe seiner Mitmenschen, aber er erträgt diese Nähe nur in Maßen. Schopenhauer meint sogar, dass derjenige, der genug Selbstliebe in sich trägt, die Mitmenschen gar nicht mehr braucht. Der gute Mann war wohl etwas arg frustriert von seinen Nachbarn. Die haben wohl Sonntags immer den Rasen gemäht, wie meine Nachbarn.


Online Shopping

Unsere Vernunft sagt uns, dass Amazon und co. Arbeitsplätze vernichten. Dass Innenstädte aussterben, weil die kleinen Händler keine Chance haben gegen den Preisdruck des Online-Handels. Unser Gewissen sagt uns, dass die regionalen Lädchen in den malerischen Altstädten bewahrt und unterstützt werden müssen.

Fakt ist, der Onlinehandel wächst rasant während Innenstädte aussterben oder von großen Filialisten erobert werden.


Offline Shopping

Letztens war ich in einem netten kleinen Laden meiner Stadt und habe ein Schwätzchen mit dem Ladenbesitzer gehalten. Er beklagte die Marktmacht des Onlinehandels, aber vor allem die Querelen zwischen den regionalen Einzelhandelsverbänden. Jeder hätte eine Meinung, gäbe seinen Senf dazu, überall ätzende Alphatierchen. Es wurde ein wenig gelästert und getuschelt. Ein Schwätzchen eben.

Dann kam ein Kunde in den Laden. Ich meinte zum Ladenbesitzer, er könne ruhig den Kunden bedienen, ich würde mich währenddessen selbst im Laden umschauen. Der gute Mann hatte absolut null Bock den Kunden zu bedienen. Also quatschten wir weiter. Der Kunde ging. Ohne etwas zu kaufen.


Digitalisierung

Sicherlich gibt es geselligere und weniger gesellige Menschen. Solche, die gerne im Austausch mit Verkäufern stehen und solche, die Verkäufern am liebsten aus dem Weg gehen. Solche, die Ihre Verkaufsarbeit gerne machen und solche, die es wie die Pest hassen (der gute Mann und ich).

Ich bin mir sicher: Schopenhauer hätte Online Shopping geliebt.

Die meisten von uns scheinen kleine Schopenhauer zu sein. So wie er, sind wir von einer Unvernunft geleitet, einer Angst. Internet, Online Shopping, Emails, Social Media, WhatsApp – die Digitalisierung schafft eine Distanz zwischen uns Stachelschweinen. Ähm ich meine Menschen.

Doch ist es nicht die von Schopenhauer ersehnte Selbstliebe, die zur Digitalisierung führte, sondern die tief verwurzelte Scheu vor der Reibung mit den Mitmenschen. Ich will nicht sagen, dass Digitalisierung nicht vernünftig ist. Aber hier ist eine ordentliche Portion Weltunvernunft im Spiel.

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