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Lebenskunst

Meditation über Kunst II

In der ersten Meditation ging es um die Beziehung zur Kunst. Hier gehe ich konkreter auf die persönlichen Entwicklungen unterschiedlicher Ausdruckformen ein.

In jungen Jahren wurde zunächst viel gedacht, dann viel geschrieben. Sprechen lernte ich viel später – um schließlich zur wortlosen Sprache des Unbewussten durchzudringen, der abstrakten Malerei. Erst im Dialog mit meinem Unbewussten lösten sich Blockaden und ich konnte künstlerisch wachsen.

 

Ausdruckformen des Bewusstseins

Das gedachte, geschriebene und gesprochene Wort

Dieser diffuse Weltschmerz, also Melancholie, von der im ersten Teil der Meditation die Rede war, machte mich zunächst zu einem sehr nachdenklichen Teenager. Dadurch wurde irgendwann der innere Drang immer stärker, die sich ansammelnden Gedanken aufs Papier zu bringen.

Viele Notizbuchseiten, Songtexte und Gedichte später wurde mir klar, dass ich in eine Sackgasse geraten bin. Das gedachte und geschriebene Wort schien ohnmächtig zu sein. Egal wie berührend oder präzise ich formulierte – ich kam nicht weiter.

Praktisch jeder von uns wird Zeuge der Grenzen gedachter und geschriebener Sprache. Zum Beispiel beim WhatsApp-Streit mit seinen unzulänglichen „Chat-Romanen“: Man hat die Vorstellung, es sei besser zu schreiben als zu sprechen. Aus Angst, man könne nur so seine Gedanken sortieren und genau das ausdrücken, was einem am Herzen liegt. Doch ausgestritten hat es sich dann noch lange nicht. Hier wird die Wirkung der Gedankensortierung und der geschriebenen Sprache überschätzt. Ein heilsamer Streit bedarf nur sekundär der Inhalte. Vielmehr geht es um das Herauslassen des Wutgefühls. Und das bleibt beim gedachten und geschriebenen Wort völlig auf der Strecke.

Erst durch das Aussprechen kommen Gefühle zur Welt. Sei es beherrscht, beherzt, oder gebrüllt. Doch auch das gesprochene Wort gelangt an Grenzen und verfehlt das Ziel, wenn das Unbewusste nicht integriert wird. Das habe ich beim Rappen gemerkt.

 

Ausdrucksformen des Unbewussten

Fühlen und Malen

Fühlen, oder basaler die Regung, ist wie das Wort schon sagt mehr Bewegung als Sprache. Bewegung wurzelt tiefer als Sprache: Bewegung ohne Sprache ist denkbar, jedoch nicht Sprache ohne Bewegung.

Das abstrakte Malen ist der reinen Regung deutlich näher als Ausdruckformen des Bewusstseins. Die Malerei ist für mich eine Art Mittler zwischen Regung und Ausdruckformen des Bewusstseins.

Wie zuvor erwähnt, bin ich mit der Schreiberei in eine Sackgasse geraten. Der Grund war eine riesige Diskrepanz zwischen den Ausdruckformen des Bewusstseins und dem Unbewussten. Die Beiden haben völlig aneinander „vorbeigeredet“. Hier halte ich es (wie so oft) mit Freud:

„Die […] empfindlichste Kränkung aber soll die menschliche Größensucht durch die heutige psychologische Forschung erfahren, welche dem Ich [vgl. Ausdruckformen des Bewusstseins] nachweisen will, daß es nicht einmal Herr ist im eigenen Hause, sondern auf kärgliche Nachrichten angewiesen bleibt von dem, was unbewußt in seinem Seelenleben vorgeht.“

Sigmund Freud: Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse, 18. Vorlesung, Die Fixierung an das Trauma, Das Unbewusste

Ich hatte jahrelang Vernunft und die Ausdrucksformen des Bewusstseins überhöht und somit das Unbewusste unterschätzt. Dank dem abstrakten Malen habe ich heute eine deutlich konsistentere Beziehung zwischen Unbewusstem und den Ausdrucksformen des Bewusstseins.

Durch die abstrakte Malerei und somit der bewussten Integration meines Unbewussten in den kreativen Prozess kann ich heute wieder schreiben.

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